Philipp Pflieger im Interview / 6 Fragen

6 Fragen – Kompakte Inspiration

Für Interview Nummer 2 konnte ich Philipp Pflieger gewinnen. Philipp trainierte gerade noch gute 9.000 km weiter südlich, genauer gesagt im „High Performane Institute of Sports“ in Südafrika, für den nächsten Marathon. Seit kurzem ist er wieder zurück in Deutschland. Auch wenn Philipp aktuell voll im Training steckt, nimmt er sich die Zeit 6 Fragen zu beantworten – vielen Dank dafür!


Wer ist Philipp Pflieger?

Philipp Pflieger ist einer der besten deutschen Marathonläufer – die 42,195 km läuft er in 2:12:50 Stunden! Seine Laufleistungen brachten ihn 2016 sogar zu den Olympischen Spielen nach Rio de Janeiro, wo er gegen die besten Marathonläufer der Welt angetreten ist. Dabei ist besonders bemerkenswert, dass Philipp hier erst zum dritten Mal bei einem Marathon startete.

Ursprünglich rannte Philipp erfolgreich auf Mittel- und Langstrecken. Auf deutschen und europäischen Rennen konnte er mehrfach die vorderen Plätze erreichen.
Herausragende Erfolge sind hier unter anderem:

  • Deutscher U23-Meister 2009 (5.000 m)
  • Deutscher Meister 2012 (10.000 m, 10 km Straße)
  • 4x Zweiter DM 2013 (Cross Mittelstrecke, Halbmarathon, 10.000m m, 5.000 m)
  • Dritter DM 2014 (5.000 m)
  • Dritter DM 2015 (10 km Straße)

Eine Auswahl persönlicher Bestzeiten von Philipp Pflieger:

800 m 1:50,90 min (2010)
1500 m 3:43,03 min (2010)
3000 m 7:52,85 min (2014)
5000 m 13:31,24 min (2012)
10000 m 28:40,27 min (2014)

Inzwischen konzentriert er sich auf die Marathondistanz und kürzere Langstrecken in der Vorbereitung.

10 km  28:54 min (2015)
21,0975 km 1:03:50 h (2015)
42,195 km 2:12:50 h (2015)

Den Marathon bei den Olympischen Spielen in Rio beendete Philipp in 2:18:56 h auf Platz 55.

Den Kindheitstraum der Teilnahme an den Olympischen Spielen hat Philipp Pflieger sich 2016 erfüllt. Wie es 2017 weitergeht, was die Ziele für die kommenden Jahre sind und wie er sich auch wichtige Rennen vorbereitet erfährst du in diesem Interview:

Philipp Pflieger im Interview #2

6 Fragen an Philipp Pflieger

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Moin Philipp, ich freue mich dir hier ein paar Fragen stellen zu können!

Du kommst gerade aus Südafrika wie man Facebook entnehmen kann. Gute 9.000 km südlich von Deutschland lässt es sich momentan bestimmt sehr gut aushalten – ich höre immer wieder nur Gutes über das Land. Irgendwann werde ich die Gegend auch mal erkunden und dann ganz bestimmt nicht nur die Laufsachen dabei haben, sondern auch mein Kitesurfzeug.

Was hat dich nach Potchefstroom verschlagen? Wie war deine Zeit in Südafrika und wie genau sah dein Trainingsalltag aus?

Philipp Pflieger: Nachdem meine Trainingsgruppe (LG Telis Finanz Regensburg) die letzten Jahre im Januar und Februar viel an der Algarve in Portugal trainiert haben, waren wir uns nach dem Olympiajahr 2016 einig dieses Frühjahr mal etwas Neues ausprobieren zu wollen und von Potchefstroom haben wir schon viel Positives gehört.

Wir wurden nicht enttäuscht: Südafrika war toll! Land und Leute haben mich wirklich beeindruckt und im speziellen die Trainingsbedingungen in Potchefstroom waren erste Sahne. Nicht nur die teils endlos langen Laufstrecken auf lehmigen „dirt roads“, auch die Sportanlagen der hiesigen Universität waren tip top. Besonderes Schmankerl war die 400m Grasbahn dort. Man muss sich das praktisch vorstellen wie eine normales Stadion nur mit Golfrasen statt dem sonst üblichen Tartanbelag.

The sky is the limit. 😃🙌🤙📸 Pascal Bucher – Sportphysiotherapeut und Marathonläufer___#WorkoutWednesday #LoggingMiles #ChasingDreams

Posted by Philipp Pflieger on Mittwoch, 1. Februar 2017

Philipp Pflieger über seine (neuen) Ziele

2

2016 muss ja ein sehr aufregendes, spannendes und bestimmt anstrengendes Jahr gewesen sein. Du selbst nennst die Olympischen Spiele einen „Kindheitstraum“, den du 2016 in Rio verwirklichen konntest. Ich bin echt überrascht, dass dies erst dein dritter Start bei einem Marathon war! Inzwischen ist ein halbes Jahr vergangen, die Eindrücke konnten verarbeitet werden und vielleicht habe sich in deinem Kopf auch schon neue Ziele geformt – lass uns daran Teil haben.

Welchen „olympischen Moment“ wirst du langfristig in Erinnerung behalten? Was sind deine sportlichen Ziele für die Zukunft? Bei welchen Rennen wirst du 2017 starten?

#Rio2016 😎✌️

Posted by Philipp Pflieger on Mittwoch, 11. Januar 2017

Philipp Pflieger: 2016 war ein Wahnsinns-Jahr in jeglicher Hinsicht! Wie schon angesprochen sind mit den Olympischen Spielen in Rio ein 20 Jahre lang gehegter Kindheitstraum – seit ich eben mit 8 Jahren mit der Leichtathletik begonnen habe – in Erfüllung gegangen. Am präsentesten in Erinnerung geblieben ist mir eigentlich der Zieleinlauf im Sambodormo denke ich. Die Kombination aus gnadenloser Erschöpfung aufgrund der unglaublich heftigen, klimatischen Bedingungen gepaart mit Endorphin-Over-Flow waren unglaublich intensiv. In genau diesem Moment wurde mir mehr als bewusst: Du hast es wirklich geschafft!

Entgegen so mancher Vermutung aus meinem Umfeld, dass man nach dem Erreichen eines so großen Ziels vielleicht in ein mentales Loch fallen würde, war für mich nach einer angeschlossenen Brasilien-Rundreise schnell klar, dass ich nach wie vor große Lust auf Laufen und mit meinen 29 Jahren das beste Marathonalter noch vor mir habe. So war für mich schnell klar: Ich will weitermachen und in den nächsten Jahren austesten wo meine persönlichen Grenzen liegen. Ich denke das wird mit Sicherheit noch ein aufregendes Abenteuer!

Die Rennen für das Frühjahr 2017 sind inzwischen fixiert, aber trotzdem noch nicht spruchreif, da die Veranstalter das zum gegeben Zeitpunkt gerne selber bekanntgeben. Ich sage mal so viel: Diesen Donnerstag (23.02.) sollte man Augen und Ohren offenhalten. 😉

Philipp Pflieger über Sport, Politik und die berufliche Zukunft

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Natürlich habe ich auch nach dir gegoogelt und bin als erstes auch deine Webseite http://philipp-pflieger.de/ gestoßen – gefällt mir sehr gut. Das Design gut gemacht und die gesamte Webseite ist angenehm übersichtlich. Ich mag die Farben (zufällig ganz ähnlich wie hier im Blog)! Sieht sehr professionell aus und entspricht voll deiner Person – jung & dynamisch! Noch bist du ja keine 30 😉 Deine Webseite sieht sehr professionell aus – als Profisportler ist es heutzutage glaube ich sehr wichtig eine vernünftige Repräsentanz im Internet zu haben.

Du hast eigentlich Politikwissenschaften studiert und bist nun seit mehreren Jahren Profisportler. Als solcher bist du scheinbar sehr gut aufgestellt und hast gute Partner und Sponsoren gefunden, die dich unterstützen und begleiten.

Wie stellst du dir dein Leben in 15 Jahren vor? Kannst du dir vorstellen zukünftig auch im politischen Bereich zu arbeiten? Kann man die Bereiche Sport und Politik eventuell sogar verbinden?

Philipp: Um ganz ehrlich zu sein – ich kann mir aktuell nur ganz schwer ausmalen was in 15 Jahren aus mir geworden ist. Privat habe ich dann hoffentlich Familie und Kinder und beruflich lasse ich mich glaube ich einfach mal überraschen was kommt. Ein zentrales Credo von mir ist, dass ich meist nur das gemacht bzw. verfolgt habe was mir Spaß macht. Damit meine ich nicht nur den Sport, sondern gerade auch das Studium. Während andere Leute etwas „Handfestes“ wie BWL studiert haben, habe ich mich für Politikwissenschaft (und Medienwissenschaft) entschieden, nicht weil ich damit ein konkretes späteres Berufsziel verbunden habe, sondern einfach weil es mich schon immer interessiert hat.

Trotzdem sehe ich meine Zukunft deswegen nicht zwangsläufig in der (Sport-)Politik. Sollte es so kommen – ok, aber momentan tuen sich allein durch den Sport so viele neue Betätigungsfelder auf, die ich alle super spannend finde und mich einfach mal überraschen lasse wohin mich das später führen wird.

Finally time to suit up again. 😉🙌📸 34MOTION ___Mittelbayerische #SportlerGala

Posted by Philipp Pflieger on Donnerstag, 26. Januar 2017

 

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Apropos Sponsoren – kennst du die motivierende Wirkung von neuen Sportsachen? Ich hatte im letzten Jahr das Glück einige tolle Sportklamotten testen zu können und war jedes mal aufs neue hoch motiviert raus zu gehen und die Laufsachen auszuprobieren. So finden sich auch immer wieder neue Lieblingsteile – aktuell laufe ich besonders gerne in meinem Merino Langarmshirt von Apani by X-Bionic und einer leichten Laufweste von Gore Running Wear darüber. Die perfekte Kombi – I love it!

Was sind aktuell deine Lieblingsteile? Was kannst du den Läufern da draußen besonders empfehlen, weil es dich qualitativ und funktional total überzeugt?

Philipp Pflieger: Nun, bin ich als Profisportler ein seit Jahren von adidas gesponserter Athlet. Der Sport ist mein Beruf und wäre ich nicht voll und ganz von den Produkten der Marke mit den drei Streifen überzeugt, würde ich sie nicht in meinem Sportleralltag verwenden. Sportler sind ja auf der einen Seite total detailversessen und auch (Sport-)Wissenschaft orientiert, auf der anderen Seite spielt das Gefühl oder auch der Wohlfühlfaktor z.B. eben mit bestimmten Produkten eine zentrale Rolle. Ich kann mir heute jedenfalls gar nicht mehr vorstellen in anderen Schuhen zu laufen.

Mein absoluter Lieblingsschuh ist gleichzeitig auch mein Marathon Rennschuh: der „adidas adizero adios *“. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ich mit ihm auch viele Highlight-Momente wie meine Bestzeit beim Berlin Marathon 2015 oder natürlich den Olympischen Marathon in Rio 2016 verbinde.

Die Sinnhaftigkeit von Ritualen vor Wettkämpfen

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Viele Läufer haben ganz bestimmte Rituale vor einem Rennen und überlegen sich gut, wie sich am Morgen vorbereiten und was sie essen. Bei Fußballern sieht man sehr oft, dass sie noch bis kurz vor dem Spiel Musik hören, um den Trubel um sie herum auszublenden.

Wie sehen deine Vorbereitungen vor einem wichtigen Rennen aus? Und wie schaffst du es die Aufregung zu regulieren und dich zu fokussieren?

Philipp Pflieger: Also vorab muss ich sagen, dass ich es mir abgewöhnt habe bestimmte Rituale vor einem Rennen abrufen zu müssen. Manche Leute brauchen das um ihre Nerven unter Kontrolle zu halten, aber was wenn das aus irgendwelchen Gründen mal nicht möglich ist?

Jeder Wettkampf ist anders und nicht alles planbar. Gerade z.B. vor dem Olympischen Marathon sind wir fast eine Stunde im Stau von Rio gesteckt und dementsprechend viel später zum Aufwärmbereich gekommen. Da verfällt man leicht in Panik, wenn man gewohnte Abläufe nicht durchexerzieren kann.

Ich versuche im Allgemeinen die Aufregung nicht als etwas Negatives wahrzunehmen, sondern irgendwo auch als wichtig vor einem Rennen, denn dann weiß man, dass dieses Rennen einem etwas bedeutet und dementsprechend wichtig ist. Außerdem sorgt Aufregung natürlich auch für eine höhere Adrenalinausschüttung und dieses „Kampf-Hormon“ kann man im Rennen wirklich gut gebrauchen. 😉

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Deine aktuelle offizielle Bestzeit für einen Marathon liegt bei 2:12:50 h, der aktuelle Weltrekord bei 2:02:57 h (aufgestellt 2014 von Dennis Kimetto in Berlin). 1998 lag der Weltrekord noch bei 02:06:05 h, also gute drei Minuten langsamer. (1964 hättest du übrigens mit deiner aktuellen Bestzeit einen neuen Weltrekord aufgestellt, damals war der aktuelle Rekord in dem zeitlichen Rahmen.)

Was meinst du, wie die Entwicklung der Marathonrekorde weiter geht? Wann wird die magische Grenze von 2 Stunden geknackt? Hast du deine offizielle Bestzeit über die Marathondistanz im Training schon mal geknackt, was ist deine inoffizielle Bestzeit?

Philipp: Zum Thema Weltrekord habe ich seit langem – vor allem je tiefer ich in die Profi-Welt eingetaucht bin – ein sagen wir mal zwiespältiges Verhältnis. Mir ist bewusst, dass dieses Thema natürlich einen hohen medialen Aufmerksamkeitsfaktor für unsere geliebte Sportart LAUFEN bringt und das ist per se ja nichts Schlechtes. Die Geschichte hat aber gezeigt, dass eben nicht alles Gold ist was glänzt und gerade in der Weltspitze natürlich auch mit unerlaubten Mitteln nachgeholfen wird. Letzten Endes kann ich nur für mich selbst die Hand ins Feuer legen und konzentriere mich daher auch viel lieber auf die Verwirklichung meiner eigenen Ziele, statt mich zu sehr mit Weltrekorden und deren potentieller Entwicklung zu beschäftigen.

Im Training laufen wir zwar auch im Bereich der Marathondistanz, aber aufgrund der heftigen Belastung natürlich nicht so „all out“ wie am Tag X im wirklichen Rennen. Von dem her ist meine Bestzeit vom Berlin Marathon 2015 auf meine tatsächliche Bestmarke.


Vielen Dank Philipp, dass du dir die Zeit genommen hast meine 6 Fragen zu beantworten! Ich wünsche dir alles Gute für die Saison 2017 und alle kommenden Rennen. Ich bin gespannt, wie es bei dir weiter ‚geht‘.


Philipp Pflieger zu seinen Zielen 2017

Wo finde ich Philipp Pflieger?

Persönliche Webseite: http://philipp-pflieger.de/

Facebookseite: https://www.facebook.com/philipp.pflieger/

Wer war bisher bei 6 Fragen?

Im Kurz-Interview hatte ich auch schon folgende Persönlichkeiten:

Interview #1: 6 Fragen an Anna Achilles

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